| Antragsteller/innen: | Landesverband Grüne Jugend |
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| Gegenstand: | Ernährungs- und Klimapolitik |
| Anmerkungen: |
Voller Mehrwertsteuersatz auf Fleischprodukte
Vorbemerkung
Der weltweite Fleischkonsum hat sich in den vergangenen 40 Jahren von insgesamt 78 Millionen Tonnen auf etwa 250 Millionen Tonnen pro Jahr mehr als verdreifacht. Dieser Trend wird anhalten. Jeder Mensch verzehrt im Schnitt pro Jahr 43 Kilogramm Fleisch, in den Industrieländern sind es im Durchschnitt 80 kg pro Person, in Deutschland sogar 83 kg. In allen Entwicklungsländern sind es nur etwa 28 Kilogramm Fleisch, in den ärmsten Ländern sind es nur 9 kg.
Welternährung
Tiere können einen wichtigen Beitrag zur landwirtschaftlichen Produktion leisten, wenn sie auf Weideflächen grasen, die sich nur für eine extensive Bewirtschaftung eignen, dies ist vor allem in trockenen Regionen der Fall. Jedoch wird den meisten Masttieren heute kein Gras mehr zum Fressen dar geboten, dafür aber Mais, Weizen und Soja sowie anderes Getreide, das auf Ackerflächen wächst, die für den menschlichen Verzehr geeignet wären und somit der direkten Lebensmittelproduktion verloren gehen. Außerdem können Tiere pflanzliche Kalorien nicht eins zu eins in eigene Masse umsetzen, was dazu führt, dass Kalorien für die menschliche Nutzung verloren gehen. Bei Geflügel liegt dieses Verhältnis bei etwa 1:2, bei Schweinen, Milch und Eiern bei 1:3 und bei Rindern bei etwa 1:7. Rund ein
Drittel der weltweiten Getreideproduktion geht heute in die Tierproduktion.
Der Bedarf an Futtermitteln in Deutschland liegt bei etwa 66 Millionen Tonnen pro Jahr, was in etwa dem Achtfachen des Getreideverbrauchs für die menschliche Ernährung entspricht. Die erforderlichen Futtermittelrohstoffe werden im Wesentlichen durch Futtermittelimporte aus Nord- und Südamerika gedeckt - allein Brasilien hat seine Sojaproduktion von 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 1970 auf etwa 57 Millionen Tonnen im Jahr 2007 gesteigert.
Der weltweite Trend belegt, dass - gemessen an Kilogramm und Einwohner - die Fleischproduktion stark zunimmt, wohingegen die Produktion von Getreide seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eher abnimmt.
Dies lässt das Umwelt-Programm der Vereinten Nationen, UNEP, schlussfolgern: "[...] taking the energy value of the meat produced into consideration, the loss of calories by feeding the cereals to animals instead of using the cereals directly as human food represents the annual calorie need for more than 3.5 billion people".
Klimawandel
Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch erzeugt soviel klimaschädliche Gase wie eine Autofahrt von 250 Kilometern, dies entspricht der Treibhauswirkung von etwa 36 Kilogramm Kohlendioxid. Den größten Anteil daran hat das Treibhausgas Methan, welches Kühe während der Verdauung freisetzen.
Auch die Produktion von Schweine- oder Hühnerfleisch emittiert verhältnismäßig viele Treibhausemissionen, die bei weitem über pflanzlichen Produkten liegen.
Aus den obigen Erläuterungen ableitend fordern wir den Landesparteitag auf, zu beschließen:
Fleischprodukte sollen von der reduzierten Mehrwertsteuer ausgenommen werden
Begründung
Der reduzierte Steuersatz auf Fleischprodukte ist völlig an der Realität vorbei, der Fleischkonsum eines Deutschen liegt deutlich über dem gesunden Maß. Von vielen Menschen wird eine Mahlzeit erst als "vollwertig" anerkannt, wenn fleischliche Produkte enthalten sind – dieser Irrglaube wird durch einen reduzierten Steuersatz unterstützt. Die weitreichenden Konsequenzen des immensen Fleischgenusses sind jedoch für den Einzelnen und die Gesellschaft keineswegs durchweg positiv zu betrachten.
Dies soll durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer deutlich gemacht werden.
"Nichts wird die Chancen für ein Überleben auf der Erde so steigern,
wie der Schritt zu einer vegetarischen Ernährung."
Albert Einstein